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Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt
AphorismA Verlag Berlin 2007
50 Seiten - ISBN 978-3-86575-526-1
Reihe Kleine Texte 26
Aus dem Schlußkapitel
„Ein moralisches Kernproblem ist der linke Universalismus, bzw. das Aufgeben desselben. Die sozialdemokratische Abwendung vom marxistischen Klassenkampf-Universalismus hin zu nationaler Politik führte zu einer Offenheit gegenüber einem kolonialistisch begründetenen Prozionismus, der wiederum antiarabische Elemente enthielt. Die kommunistische Abwendung von Klassenkampf-Universalismus während seiner jeweiligen nationalen Implementierung führte zu vorübergehendem manifestem Antisemitismus.
Doch auch damit ist das Problem noch nicht ausreichend geklärt. Denn die Darstellung des blind spot Antisemitismus der marxistischen
Arbeiter(innen)bewegung auch in ihren nicht antisemitischen Phasen zeigt, daß auch die spezifischen Füllung des Universalismusbegriffs zentral ist.
Der marxistische und klar internationalistische Sozialismus war zwar nicht antijüdisch, aber auch eben schon blind. Hier zeigt sich, daß sein
um Klassenkampf zentriertes Weltbild nur vorgab, auch die Jüdinnen und Juden sowie ihre partikulare Verfolgung mit zu erfassen [...]. Auschwitz, aber auch der Stalinismus haben gezeigt, wie sehr diese
Annahme fehl schlug.
Da dieses Erbe der sozialistisch-kommunistischen Geschichte auch heute noch seine deutlichen Spuren in Teilen der Linken hinterlassen hat, ist weiter zu fragen, welches Universalismus eine linke Politik bedarf, die Emanzipation für alle Menschen, den Kampf gegen Unterdrückung aller Gruppen zum Inhalt haben will.
Ein Klassenkampfuniversalismus ohne zumindest eine Anreicherung um einen ernstgemeinten Menschenrechtsbegriff hat die notwendigen Voraussetzungen offensichtlich nicht, vielmehr hat er sein Versagen auch bei jüdischem partikularen Leid unter Beweis gestellt.“
Über den Autor
Peter Ullrich, geboren 1976, Soziologe und Kulturwissenschaftler; 2003-2007 Promotion in Berlin und Leipzig zum Thema „Die Linke, Israel und Palästina. Diskursive Gelegenheitsstrukturen und die linken Nahostdiskurse in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland“
Weitere Arbeitsschwerpunkte: NS-Erinnerung, Soziale Bewegungen, Methoden der qualitativen Sozialforschung, Diskursanalyse, (Video-)Überwachung.
Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der Selbständigen Abteilung für Sozialmedizin am Universitätsklinikum Leipzig in einem Projekt zu Berufsbiographien von Psychoanalytiker(innen) nach dem Nationalsozialismus.
Weitere Hinweise
http://peterullrich.twoday.net
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