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Arthur Kolnik

„Hat mein Pinsel meinem Volk etwa nicht treu gedient?“

Arthur Kolnik



* 1890 Stanislawow + 1972 Paris

Ein Künstlerleben zwischen den Welten und zwischen den Zeiten.

Idee, Konzeption und Projektdurchführung:
Rainer Zimmer-Winkel M.A.


Weitere Auskünfte über den Künstler, sein Werk, sein Leben, besonders über den Verbleib von Ölbildern, Zeichnungen, Karrikaturen und Holzschnitten, sind erbeten an: Kolnik-Projekt@aphorisma.eu

Any information about the artist, his life, the oeuvre, especially about the actual location of oil paintings, drawings, caricatures and wood cuts will be welcomed.


Selbstportrait (Privatsammlung)


Einen fast vergessenen Maler und Zeichner, einen Künstler, der zum Chronisten einer untergegangenen Welt wurde, einen Zeugen für die Vitalität, das Groteske, das Tragische, das Traurige wie das Verschmitzte, das Melancholische wie das Heitere will die geplante Ausstellung der Werke Arthur Kolniks ins Bewußtsein rufen und neu würdigen.

Arthur Kolnik stammt aus Galizien und hat entscheidende Jahre seiner künstlerischen Prägung in der osteuropäischen Kulturmetropole Czernowitz verbracht.

Aus der jüdischen Welt Osteuropas kommend, überlebte er die Katastrophe der Shoa wie durch ein Wunder in Frankreich, das zu seiner neuen Heimat wurde. Die Vernichtung der Kultur, aus der er stammte, und der Mord an seinem Volk bleiben nach 1945 die bestimmenden Kräfte seiner künstlerischen Existenz; er erschafft aus seiner Phantasie und Erinnerung die Gestalten und Bilder des osteuropäischen Judentums immer wieder neu.

rzw


Als man ihn fragt was sein größter Wunsch sei, antwortet er: „Nach Israel zu fahren, mir bewußt zu werden, was ich aus den 78 Jahren meines Lebens gemacht habe. Habe ich sie etwa verschwendet? Und dennoch: Hat mein Pinsel meinem Volk etwa nicht treu gedient?“

Quelle: Arthur Kolnik, Musee de Tel Aviv (Begleitheft zur Austellung) 1968


„ Mit einer weitzügigen Linienführung von schlichtem sachlichen Ernste hat Arthur Kolnik in seiner Jünglingszeit die ersten künstlerischen Versuche angestellt und ist später auf äußere Anregungen hin, zum guten Teile auch seinem angeborenen Hange zum stillen, versonnenen Flächenhaften folgend, zur dekorativen Ausgestaltung der Bildfläche übergangen.“

Emil Zappler
Quelle: Jüdischer Almanach für Groß-Rumänien, hg. von Markus Krämer, Czernowitz (Verlag Orient) 1922, S. 127


„Et toute cette galerie nous soulève d‘admiration furieuse.“

Henri Barbusse am Schluß seines Vorwortes zu „Sous le chapeau haute forme“, Paris 1934



„Arthur Kolnik ist zwar ein Intellektueller gewesen, der viele intellektuelle Freunde hatte, aber er glaubte an eine spezifische jüdische Kunst, geprägt durch das traditionelle Judentum, und so hat er seit seinem ersten Pinselstriche auch Motive aus dem jüdischen Leben gezeichnet. [...] Als der Frieden wiederkehrte, zeigte sich die jüdische Tragödie in ihrer ganzen höllischen Größe und seit 1945 wird das Martyrium seines Volkes die Hauptquelle seiner Inspiration. [...] Im Grunde seiner Seele spürt er, fühlt er, daß er die Mission hat zu erzählen, zu erzählen in Formen und in Farben, vom täglichen Leben der Dörfer seiner Jugend, jüdische Kinder zu malen, die sich für Purim verkleidet haben, Musiker, Gelegenheitspoeten auf jüdischen Hochzeiten, Mütter die Schabbatkerzen zünden, eine Braut in Tränen unter dem Hochzeitsbaldachin, die alte Synagoge aus Holz, angezündet, in Flammen stehend, und die nur noch in seiner Erinnerung existiert.“

Dr. H. Gamzu, Direktor des Kunstmuseums Tel Aviv, im Vorwort des Begleitheftes zur Ausstellung, Dezember 1968




Alter Jude mit Thora (Privatsammlung)

*

Zur Biographie Arthur Kolniks


1890 04. Mai Geburt in Stanislawow (Östliches Galizien in Österreich-Ungarn); sein Vater stammt aus Litauen, sein Mutter aus Wien. Besuch der Schule in Stanislawow.

1908 Aufnahme in die Akademie der Schönen Künste in Krakau; er arbeitete im Atelier von Prof. Joseph Mehoffer, bekannt als Portraitmaler. Während der sechs Jahre, die er an der Akademie verbrachte, erhielt er zahlreiche Preise und es wurde ihm eine Silbermedaille zuerkannt.

1914-1918 Teilnahme als Soldat (Offizier) im Weltkrieg I; wegen einer Verwundung wurde er in Wien ins Lazarett eingeliefert, wo es zu einer wichtigen Begegnung mit dem Maler Isidor Kaufmann kam und wo er auch den Maler Eichborn kennenlernte. Sie interessierten sich für seine Arbeit und halfen ihm während der schwierigen Jahre des Krieges.

1918 Übersiedlung nach Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina. Er ist befreundet mit dem Fabelerzähler Eliezer Steinbarg, den Dichtern Itzik Manger und Yacob Sternberg, dem Novellisten Moshe Altmann, dem Essayisten Shlomo Bickel und anderen. Er lernt auch Rose Scherzer(-Ausländer) kennen.

1918 November: Teilnahme an der Kunstausstellung im Gewerbemuseum von Czernowitz.

1920/21 Aufenthalt in New York, zusammen mit dem Maler Reuven Rubin, mit dem er befreundet war; gemeinsame Ausstellung unter dem Patronat des rumänischen Kultusminsters in den "Anderson Galleries" von Alfred Stieglitz. (mit Austellungsbroschüre).

1921 Kolnik schafft die Bilder für das jiddische Schulbuch von Eliezer Steinbarg „Alef beys", es erscheint im Verlag Kultur in Czernowitz; Steinbarg verwendet die Vignetten, die ihn zum Teil selbst zeigen, auch in seinem Unterricht.

1922 Mai: Teilnahme an der Frühlingsausstellung des Czernowitzer Kunstvereins.

Frauenportrait (Museum Yad Labanim Petach Tikva, Israel)

1926 November: Einzelausstellung in Czernowitz; eine Postkarte mit einem Werk Kolniks aus dieser Ausstellung hat sich im Nachlaß Rose Ausländers erhalten.

1928 Es erscheint eine Mappe mit zwölf Holzschnitten: „Durkh di briln/Durch die Brille", sie enthält jiddische Fabeln von Eliezer Steinbarg.

1929 Es entsteht ein Portrait in Öl des Dichters Itzik Manger, das auch als Titelbild für Mangers jiddischen Erstling: „Stern ojfm Dach/Sterne auf dem Dach", Warschau 1929, Verwendung findet. Das gleiche Portrait existiert in verschiedenen Fassungen und auch als Zeichnung

Itzik Manger (1901-1969)

1931 Zusammen mit Maximilian Rubel geht er nach Paris; er läßt sich mit seiner ersten Frau und seinen beiden Kindern, einem Sohn und einer Tochter, in der Stadt auf Dauer nieder. Er arbeitet unter anderem auch für Zeitungen als Karikaturist, des Broterwerbes wegen auch für Modezeitschriften. Weil er so tagsüber nicht zu künstlerischem Arbeiten kommt, entstehen vermehrt nachts Holzschnitte.

1932 Nach dem plötzlichen Tod Steinbargs beschließen seine Freunde die Herausgabe seiner Werke; der erste Gedenkband „Mesholim" wird mit Kolniks Holzschnitten von 1928 versehen. Gestaltung des Grabmals für den im gleichen Jahr verstorbenen Dichterfreund Eliezer Steinbarg, wohl dazu im November 1932 erneuter Besuch in Czernowitz. Kolnik hat auch den Gedenkstein für Itzik Mangers Mutter geschaffen, beide Gräber befinden sich noch heute auf dem Friedhof von Czernowitz, heute in der Ukraine.

Holzschnitt Jude mit Taube (1933)

1933 "Hertz Grosbard Recitations-Gestaltn" 12 Holzschnitte werden in Paris gedruckt (Künstler-Gemeinschaft). Grosbard galt seinerzeit als einer der größten Rezitatoren des Jiddischen.

1934 In diesem Jahr erscheint, ebenfalls in Paris, "Sous le chapeau haute forme" 24 planches en noir - gravures sur bois (Editions Les Èecrivains Réunis No. 4 avant-propos Henri Barbusse).

1935 Ausstellung in Buenos-Aires. Hier war übrigens Steinbarg von 1928-1930 Direktor einer jiddischen Schule gewesen

Jude mit der Fidl (Lithographie)
(Museum Yad Labanim Petach Tikva, Israel)

1936 In Czernowitz erscheint eine Ausgabe von Fabeln Steinbargs unter dem Titel „Mayselekh" mit Holzschnitten von Kolnik.

1938 Mitarbeit an der deutsch-französischen Zeitschrift „Verbe - Cahiers Humains", herausgegeben von M. R. Lebur (i.e. M. Rubel).

1940-1944 Internierung mit seiner Familie in einem Lager für Staatenlose

1946 Er illustriert eine Ausgabe von Dostojewskis „Legende vom Großinquisitor", sie erscheint in der Editions Librairie de France.

Simchat Thora (Museum Yad Labanim Petach Tikva, Israel)

1948 Mit zwanzig Illustrationen von Arthur Kolnik erscheint: „A gilgl fun a nign". Tsvantsik holtsshnitn: inspirit fun der Hasidisher geshikhte fun Y.L Perets in Paris. In diesem Jahr nimmt er auch die französische Staatsbürgerschaft an, er heiratet später auch ein zweites Mal.

1949 Kolnik illustriert mit 13 Zeichnungen das Buch von Claude Paris: Les Enfant-poetes. Der Privatdruck erscheint in 1.500 Exemplaren (Offset AF/4) sowie weiteren 75 numerierten Exemplaren (Offest AF/7).

1952 In New York erhält er den Prix Chaban. Er ist zu dieser Zeit Mitglied des „Comité de l‘Association des Peintres et Sculpteures Juifs de France" (Vereinigung der jüdischen Maler und Bildhauer in Frankreich).

1959 In Paris erscheinen Moses Schulsteins „Blumen fun badoyer: lider un poemes" (Di goldene pave) mit Werken von Kolnik.

1960 Im Verlag Peretz in Tel Aviv erscheint das Buch „Reb Zalam" von Jehiel Hofer mit Illustrationen von Kolnik .

1961 Kolnik veröffentlicht Illustrationen zu Abraham Sutzkever „Gaystike erd". New-York (Edition Der Kwall, 721).

1962 Kolniks erste Frau stirbt. Er heiratet später ein zweites Mal, Ezra Kolnik ist selbst Malerin.

1966 In Paris erscheinen Kolniks Illustrationen zu Seyfer Hazikorn. Im gleichen Jahr bebildert er Moses Schulsteins "Baym pinkes fun Lublin: dramatisher hizoyen in a kupe ash", das ebenfalls in der französischen Hauptstadt erscheint.

Jude mit einer Ziege (Privatsammlung)

1967 Der Verlag „Quatre-Feuilles" (Paris) veröffentlicht Maximilian Gauthiers Monographie über den Künstler.

1968 Ausstellung „Peintures - Dessins - Gravures sur Bois" im Kunstmuseum von Tel Aviv (Israel) zeigt über 130 Werke, darunter fast 70 Ölbilder.

1969 In Tel Aviv legt der Peretz Verlag die „Mesholim / Fabeln" von Eliezer Steinbarg wieder auf, sie erscheinen mit den Illustrationen.

1972 Tod in Paris.

....

1990 erscheint, wiederum im Peretz Verlag in Tel Aviv, Itzik Mangers: Midrash Itsik (Humesh lider - Megileh lider) mit Kolniks Holzschnitten.

 


Literatur

Maximilin Gauthier: Kolnik, Paris 1967
Le Musee de Tel Aviv: Arthur Kolnik, Tel Aviv 1968
Artikel Kolnik. In: Encyclopaedia Judaica, Band 10, Sp. 1169, West-Jersualem 1971
My Dear Roisele. Itzig Manger - Elieser Steinbarg. Jiddische Dichter aus der Bukowina,
Üxheim 1996 - Schriftenreihe des Rose Ausländer-Gesellschaft Band 6, hg. von Helmut Braun - Redaktion Rainer Zimmer-Winkel

Berlin-Rixdorf, 15. September 2001 - Jerusalem, 15. Juni 2007

 
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